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Carsten Stein

aus Herrnhut vom NaSa e.V.

Den letzten Vortrag hielt Carsten Stein aus Herrnhut vom NaSa e.V. mit dem Titel „Von Grüner Aktion Zukunft zur Ökodiktatur -Was ist dem Naturschutz auf dem Weg verloren gegangen?“ Er fasst seinen Vortrag folgendermaßen zusammen:

Naturschutz von unten (so war der Tag überschrieben): unabhängig von parteipolitischen Zwängen und behördlichen Vorgaben.

Gegenstand diese Referates war der Blick zurück in die Anfänge: Was ist aus den Vorhersagen von Hoimar v. Ditfurth („So laßt uns denn ein Apfelbäumchen pflanzen“) geworden? Sind die Grundlinien des Romans „Ökodiktatur“ (D. Fleck) heute noch oder schon relevant? Was können wir von einem der Pioniere (H. Gruhl) der Anfangszeit der „Grünen Bewegung“ in Deutschland lernen?

Zum Glück sind nachweislich die schlimmsten Vorhersagen nicht eingetreten. Der prophezeite Untergang der Menschen um die Jahrtausendwende hat sich nicht ereignet. Doch unsere Umwelt krankt weiter und die Natur wird weiter rasant verdrängt und Biodiversität vernichtet. Naturschutz wird also weiterhin (und vielleicht wieder mehr als bisher) gebraucht.

Wo sind eigentlich die Wurzeln des Naturschutzgedankens zu finden? Was würde es für uns bedeuten, wenn wir uns der Wurzeln besinnen?

Die moderne Tierschutzbewegung hat christliche Wurzeln. Deutlich sichtbar ist diese Tradition bei den Heiligen und dann insbesondere bei Franz von Assisi. Luther und Calvin bezogen Aussagen des Neuen Testament (Römer 8) auf die gesamte Schöpfung und bereiteten so einem neuen Naturverständnis den Weg. Dem standen die Aufklärer gegenüber, die wie beispielsweise Descartes, die Tiere als Maschinen begriffen. Die protestantische Theologie des 17. Jahrhunderts entwickelte eine neue Perspektive: insbesondere die Vertreter des Pietismus sahen Tiere als fühlende, leidende Mitgeschöpfe und forderten Barmherzigkeit. Ende des 18. Jahrhunderts mehrten sich die Stimmen gegen Tierquälerei, die sich verkürzt formuliert, im 20. Jahrhundert in Albert Schweizers „Ehrfurcht vor dem Leben“ wiederfinden.

Wie sehen diese christlichen Wurzeln aus? Jeder Bestandteil der Schöpfung im Universum geht auf den Willen Gottes zurück – damit wird der Natur (den Lebewesen) eine besondere, unveräußerliche Würde zugesprochen – unabhängig vom Menschen und seinen Interessen.Gott verbietet, Tiere willkürlich zu behandeln oder mutwillig zu quälen. Der Mensch soll auf die ihm anvertrauten Lebewesen achten und für sie sorgen. Anfangs durften Tiere weder getötet noch verspeist werden – bis nach dem Sündenfall die Sterblichkeit auch über sie kam. Der Noahbund (Genesis 2,17) gilt für Menschen und Tiere. Er verweist auch bei Tieren auf deren Seele (im Blut).Die Verpflichtung des Menschen, für die Natur zu sorgen, weil sie Gottes Eigentum ist, wurde nie aufgehoben. Nutzungsrecht und Herrschaftsauftrag (Verwalter und Beschützer Gottes) haben nichts mit Ausplündern und Zerstörung zu tun. In der Zukunft, wie sie die Bibel offenbart, wird ein dauerhafter Friede zwischen Menschen und Tieren angekündigt.

Was ist aus diesen Vorgaben geworden?

Die Gesellschaft allgemein wollte davon nichts wissen. Von Seiten der großen Kirchen waren oft Ignoranz oder Verharmlosung (man wollte sich von politischen Strömungen und der Esoterik abgrenzen) die Regel.

Das führte zu Fehlentwicklung auf der anderen Seite, die sich beispielsweise im extremen Tierschutz manifestierten: Die Bewegung ist sich ihrer christlichen Wurzeln nicht mehr bewußt und fing an die Schöpfung (bzw. Teile davon) zu vergötzen. Evolutionistisches Gedankengut und falsche Interpretation von Freiheit bzw. Dualismus (Marx!) führen zu Gesinnungsterror und Unterdrückung Andersdenkender. Damit ist einerIdeologie der Weg geebnet!

Einen Mittelweg gingen Menschen mit christlicher Prägung indem sie neue Bewegungen anstießen (Herbert Gruhl, Hoimar v. Ditfurth), aber damit lange Zeit sehr allein standen.Das änderte sich, als sog. 68er Gruppen mit starker marxistischer Prägung und ausreichend Zeitreserven dazu stießen. Jetzt entwickelten sich Umweltbewegungen als Massenbewegungen, aber der Kontakt zur Wurzel ging wieder verloren und der Schwerpunkt verlagerte sich hin zu anderen Themen.

So verwundert die Situation heute nicht: Es gibt viele verschiede Bewegungen, die sich Natur- und Umweltschutz auf die Fahnen geschrieben haben.Da alle direkt oder indirekt auch Steuergeldern finanziert werden, verstehen sie sich nicht als eine große Familie, sondern sind eher von Neid und Mißgunst getragen. Frühere Verwurzelung in christlichen Werten wurde von religiösem (Neuheidentum, Esoterik) und ideologischen Meinungskorridoren verdrängt oder wurden gar vom neoliberalen Zeitgeist vermarktet und damit einseitig auf wenige Interessen ausgerichtet.

Was passiert noch wenn die Menschen die Beziehung zu ihrem Schöpfer verlieren?

Eric Voegelin (1901-1985) zeigt in seinem Werk „Die politischen Religionen“ auf, daß der Gedanke, die Welt sei prinzipiell wissenschaftlich erkenn- und erklärbar, ein Fundament bildete, aus dem sich ein geschlossenes dogmatisches Gebäude erhob, das alle konkurrierenden Weltanschauungen als „unwissenschaftlich“ zurückwies. Wenn dieses dazu noch mit emotional geladenen Inhalten aufgefüllt wird, entwickelt sich die politische Weltanschauung zu einem „Religionssystem“. Für Voegelin ist der Kern aller Weltanschauungsfragen immer religiöser Natur. Wobei bei fehlender Transzendenz am Ende dieser Entwicklung ein „Blutrausch der Tat“  zwangsläufig sein wird.

Auch wenn nicht alle einseitigen politischen Entwicklungen in einem Desaster wie beispielsweise die großen Katastrophen des 20. Jahrhunderts in Europa enden müssen, wirken Ideologien stets destruktiv. Ideologien bringen uns durcheinander, machen Angst und belasten uns mit einem schlechten Gewissen: Wir werden zu „Sündern“ in Bereichen, von denen es keine Erlösung gibt: Beim Einkauf, beim Müllverursachen, bei der Art der Fortbewegungsmittel, beim Essen etc. Die Folgen sind widersprechende Reaktionen: unberechtigte Schuldgefühle, Selbsterlösungsversuche, Ablaßzahlungen etc. Dadurch muß eine Werteethik zwangsläufig einer schwammigen Gesinnungsethik weichen. Mit „Moralischer Vorfahrt“ braucht man sich nicht mehr einem Diskurs stellen. Betroffenheit und Verantwortung aus der Anfangszeit der Umweltbewegung sind mittlerweile eher Ansprüchen gewichen. Deshalb sind wir heute mehr denn je aufgefordert, die Frage der Legitimationzu klären. Dazu muß man zurück zu den Wurzeln. Das wird kein einfacher Weg (wir können aber aus dem Gegenwind unsere Energie ziehen), weil „Wissen statt meinen“, „Sein statt scheinen“ auch mit Arbeit verbunden ist. Doch es lohnt sich. Denn auf diese Art können alle Naturschützer wieder eine „Zweckfamilie“ sein und ihre Ressourcen gemeinsam (jeder auf seinem Feld) der Natur zukommen lassen und nach außen geschlossen auftreten. Genährt aus der Wurzel, in der ich in der Endkonsequenz Gott selbst sehe, bekommen wir Kraft,  Inspiration und Auftrag. Zudem ist es eine Entlastung. Wenn ich als Verwalter arbeite, dann setze ich mich für die Ziele der Eigentümers (oder Schöpfers) ein. Als Individuum bin ich aber nicht gerufen die Welt zu retten. Das macht frei!

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