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Dr. Norman Pohl

TU Bergakademie Freiberg

Nach diesen grundsätzlichen Einschätzungen zur aktuellen Situation des Naturschutzes in Sachsen ergriff Dr. Norman Pohl von der TU Bergakademie Freiberg das Wort und referierte als Umwelthistoriker in seinem Vortrag „Nachhaltigkeit – eine Umweltgeschichte von Schein und Sein“ über Ursprung, Inhalt, Sinnentwicklung und aktuelle Verwendung des Begriffes „Nachhaltigkeit“. Dessen Bedeutung in der aktuellen Debatte geht im Wesentlichen auf die Weltumweltkonferenz in Rio de Janeiro 1992 zurück (Sustainable development, sustainable growth), wobei der in der deutschen Übersetzung verwendete Begriff „Nachhaltigkeit“ eine Sinnwandlung bzw. -ausdehnung erfuhr, denn er bezog sich ursprünglich ausschließlich auf nachwachsende Rohstoffe (Hannß Carl von Carlowitz, Sylvicultura oeconomica – nachhaltige Forstwirtschaft). Seit den 90er Jahren hat sich „Nachhaltigkeit“ als Synonym für die dauerhafte Sicherung der menschlichen Bedürfnisse bei begrenzten Ressourcen zu einem allgemeinen „Kampfbegriff“ in der Politik entwickelt und ist mittlerweile im mainstream angekommen in Form eines „Wohlfühlfaktors“, der als Etikett immer mehr Produkten und Tätigkeiten ein positives Image schenken soll. Wie immer verliert auch hier mit zunehmender Sinn-Ausweitung eines Begriffes dieser zunehmend an Bedeutung und steht am Ende für alles und nichts, wie Dr. Pohl an zahlreichen Beispielen eindrucksvoll und mit einem Augenzwinkern ausführte.

Als Resultat dieser Entwicklung bleibt festzuhalten, dass in ernsthaften Diskussionsprozessen, die im Sinne des Naturschutzes Ergebnisse erzielen wollen, der Begriff der Nachhaltigkeit eher der Legitimierung von Eingriffen dient als dass er tatsächlich zu im Sinne ernsthaften Naturschutzes tragfähigen Entwicklungen führt.

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